Geschichte der Familie von Pidoll
Die katholische Familie von Pidoll ist eine künstlerisch begabte uralte lothringische Familie mit deutschen Wurzeln. Eine Y-DNA Analyse von 67 Markern, durchgeführt von den Firmen iGENEA, Zürich, und MyHeritage, Israel, ergab für ihre Familienmitglieder die Haplogruppe E1b1b1 und das linksrheinische Germanien als Wohnort im frühen Mittelalter. Davor sollen sie Kelten (MyHeritage) oder Phönizier (iGENEA) gewesen sein.
Im Einklang damit beschrieb Franz von Pidoll 1714 seine Vorfahren als „Soldaten ... von uralten teutschen Wurzeln“, die in Friedenszeiten als Holzdreher arbeiteten, an die er mit seinem „Pidole“ im Familienwappen erinnern möchte. Karl Anton Michael von Pidoll ergänzte 1842 „Die Vorfahren standen in lothringenschen und nachher in französischen Kriegsdiensten. Einer brachte es sogar zum Marschall“.
1476 griff Herzog Karl der Kühne von Burgund das Herzogtum Lothringen an. Herzog René II von Lothringen warb daraufhin für seine Armee deutsche Söldner an, welche „bidault“ (altfranz. „die Deutschen“) genannt wurden. Hierunter war auch der Urahne der Familie von Pidoll. In der Nähe von Nancy kam es daraufhin 1477 zu einer Schlacht, bei der die deutschen Söldner zusammen mit den Schweizer Söldnern die Burgunder bis vor die Tore Metz verfolgten, wo sich dann die gesamte Truppe auflöste.
Nach dieser Schlacht zogen mehrere Bidaults nicht nach Deutschland zurück, sondern verblieben in Lothringen. Entsprechende älteste Namensträger finden sich daher nahe dem Ort der Schlacht in Pulnoy bei Nancy (Clement Pidolot, verstorben vor 1620) sowie den Großstädten Nancy (Mathieu Pidollot, verstorben vor 1601) und Mirecourt (Estienne Pidollet, 1601 dort Bäcker). Keiner dieser Personen war jedoch ein Holzdreher!
Gemäß der Familiensaga soll sich der Urahne als Holzdreher niedergelassen und einen Wurfkreisel erfunden haben, welcher „Pidole“ (offensichtlich eine Verballhornung von „bidault“), seltener „Pidonn“ genannt wurde und im 16. Jahrhundert in kurzer Zeit ganz Lothringen als Spielzeug für Kinder und Erwachsene eroberte.
Der plausibelste Ort hierzu wäre der 1464 mit neuen Siedlern wiedergegründete Handwerksort Pange nahe der Stelle, wo sich die Truppe von Herzog René II 1477 auflöste. Pange liegt 15 Kilometer östlich von Metz am Fluss Nied an der Römerstrasse von Metz nach Mainz. Dort werden in den französischen Steuerakten „Mansu le tourillon“ (1579) und „Françoia le tourillon“ (1579, 1583) als Holzdreher erwähnt. 1610 wurde in Chanville, einem Nachbarort von Pange, „Mangeon Pidoll“, 1615 ebenda Marschall „Toussainct Pidoll“ geboren, von dem alle heute noch lebenden Namensträger „Pidolle“ abstammen.
Nach der Eroberung von Metz durch den französischen König 1552 und daraus resultierenden sehr hohen Steuern begannen schwierige Zeiten, in denen viele Menschen ihr gesamtes Hab und Gut verloren und verarmt auf den Straßen umhervagabundierten. Hierzu gehörte auch der Dreher „Claude le tourillon“, der offensichtlich flußaufwärts der Nied zog und sich 1570 als Erstsiedler in dem speziell für arme Bürger neugegründeten Ort „Nouvelle Chémery“ (heute Chémery-les-deux, nahe Bouzonville, 25 km nördlich von Pange) einschreiben ließ.
1588 besaß Nicolas Pidonn, wohl sein Sohn, auf Claudes kleiner Parzelle ein Holzhaus und verdiente sich wohl wie sein Vater seinen Lebensunterhalt mit Dreharbeiten. Er verstarb wohl in der Pestepidemie von 1598, denn da wurde sein Haus abgebrannt. Zwei Häuser weiter wohnte Claude Sellier, der mit Abstand reichste Bewohner des Dorfes, welcher seinen Nachbarn öfters hohe Kredite gab.
1632 begann der 30jährige Krieg in Lothringen mit dem Einmarsch Frankreichs. 1636 wurde Richemont durch die Kroaten abgebrannt. Die Hälfte der Bewohner starb bei diesen und den folgenden Kriegshandlungen. 1642 wurde Symons Gut Frönholz von den Schweden abgebrannt. Seitdem gilt Symon Pidoll als vermißt.
Symons Sohn Sieur Dominique Pidolle (*1626, +28.2.1689) überlebte die Zerstörung von Reichersberg und die Verlegung des dortigen Hochgerichts nach Hayange. In diesem Ort lernte er Dame Anna Katharina Schaus (+1670), Tochter des Samson Schaus, Hochgerichtsmeyer zu Hayange, kennen und heiratete sie 1651. Von 1657 bis 1679 war Sieur Dominique dann selbst Hochgerichtsmeyer von Hayange. Hier kümmerte er sich besonders um den Wiederaufbau der zerstörten Eisenhütten. Nach dem Tod seiner Ehefrau heiratet er Maria Barbara Girard, Tochter des Bürgermeisters von Reichersberg. Von seinen Einnahmen gründete Dominique 1670 eine Brauerei in Hayange. Ein Ölgemälde zeigte Dominique in jungen Jahren als Hauptmann beim Herzog Charles IV von Lothringen. Er war dem Herzog selbst in dessen Exil zu Trier (1669-1675) noch treu verbunden.
Sieur Dominique Pidolle hatte insgesamt 16 Kinder. Ein Sohn von ihm und Anna Katharina mit Namen François (*4.1.1665, +11.11.1745), ab 1714 Franz Ritter von Pidoll zu Quintenbach, wurde Offizier in französischen Diensten. Über die Trierer Kontakte seines Vaters lernte er Johanna Helena de Thier von Offenberg (*1665, *11.2.1738), Tochter des Kanzler des Prinzen von Naßau Geheimrat Jean Pierre de Thier von Offenberg und der Barbara Lauer, kennen und heiratete sie 1687. François Heimat Hayange war damals ein florierendes Zentrum der eisenverarbeitenden Industrie. François schlug deshalb Jean Pierre vor, deßen 1683 erworbene Mühle in eine Eisenhütte, die „Quint“ (10 km östlich von Trier), umzuwandeln. So geschah es dann auch. François wurde Geschäftsführer der Quint, und nach dem Tod von Jean Pierre alleiniger Besitzer. Das Geschäft florierte, weitere Eisenschmelzen wurden hinzugekauft (Zemmer Mühle, Eichelhütte, Bleischmelze, Mülchen, Oberhammer) und führten zu großem Wohlstand der Familie.
Am 18.5.1714 erhob Kaiser Karl VI François in den erblichen Adelsstand mit dem Titel „Ritter von Pidoll, Edler von der Quintenbach“ und verlieh ihm ein eigenes Familienwappen. 1735 wurde das Pidoll'sche Schloß in Quint erbaut.
Das Pidoll'sche Wappen ist rot, besitzt einen goldenen
Schrägebalken mit drei fünfblättrigen Rosen
(ähnlich dem Wappen von Lothringen), und ist links oben mit einer
zunehmenden Mondsichel (das heraldische Symbol
für katholische Pietät), und rechts unten mit
einem Pidole mit blauer aufgewundener Schnur versehen (das Symbol
für den Familiennamen).
Der älteste Sohn von Franz mit Namen Karl Kaspar wurde ein hoher Geistlicher. Der drittälteste Sohn Hubert (*20.12.1691, +1.1.1757), kaiserlicher Reichspostmeister der Thurn und Taxis'schen Postverwaltung, heiratete 1720 in eine der angesehensten Trierer Adelsfamilien: Josepha Margaretha von Geisen (+3.10.1759), Tochter des Hofdirektors Friedrich Franz von Geisen und der Maria Magdalena Buchholz. Der zweitälteste Sohn Franz Gottfried von Pidoll (*15.5.1689, +Mai 1762) studierte an der Universität Trier bis seinem Abschluß 1708, heiratete dann aber 1725 eine bürgerliche Frau: Anne Luise Guichard (*15.12.1701), Tochter des königlichen Notars Louis Bertrand Guichard und der Charlotte Clement. Vater Franz überschrieb ihm deshalb zu seiner Heirat die bereits 1704 erworbene Eichelhütte bei Himmerod sowie das große Hofgut Heeg als vorzeitiges Erbe und überließ Schloß Quint und die Verwaltung der Quint Eisenwerke seinem Sohn Hubert.
Auch Huberts Sohn Johann Franz (*30.1.1738, +25.7.1781) heiratete 1769 standesgemäß: Luise Freifrau von Forster (*23.7.1750, +31.10.1809), Tochter des Hofrat Karl Anton Freiherr von Forster und der Maria Antonetta Josepha von Rosneck. Johann Franz residierte auf Schloß Quint und führte die Quint weiter. Beim Herannahen der französischen Revolutionstruppen floh die Familie nach Österreich, wo sie nicht zuletzt dank guter Heiraten als Adelsgeschlecht neu erblühte und drei Freiherrenstandsdiplome errang (Karl Anton Michael am 20.4.1843 durch Ferdinand I, Johann Michael Joseph am 16.7.1851 durch Franz Josef I und Franz Friedrich Angelo Theodor am 1.9.1865 durch Franz Josef I). Heute lebt jedoch kein Namensträger „Freiherr von Pidoll“ von dieser Linie mehr. Bereits vorher, am 14.9.1814 wurde Johann Michael Joseph Bischof von Le Mans von Napoleon Bonaparte zum Baron de l'Empire Français erhoben.
Gottfrieds Sohn Ludwig von Pidoll (9.1.1740, +5.10.1812), der sich selbst Ludovicus nannte und seit 11.2.1771 verheiratet war mit Maria Franziska Jacobi (*12.8.1754, +8.5.1805), Tochter des Konrad Jakobi, kurtrierischer Amtskellermeister auf Schloß Ulmen, und der Maria Anna Fier, erbte 1762 die Eichelhütte und das Hofgut Heeg und nahm einen hohen Kredit auf, um seine noch miterbenden fünf Geschwister auszahlen zu können. Trotz dieser finanziellen Schwierigkeiten baute Ludwig die Eichelhütte weiter aus und kaufte sogar noch weitere Hüttenwerke dazu (1766 Hütte Wenzelhausen und Merkeshausen, 1777 Hütte Malberg). Der Höhepunkt der Entwicklung ist erreicht!
1794 näherten sich französische Revolutionstruppen der Eichelhütte. Ludwig floh nach Heeg, wurde aber auch von da vertrieben. Sein Gut wurde von den Franzosen beschlagnahmt und weiterverschachert. Auf diese Weise verarmt verkaufte er schließlich 1807 die zerstörte Eichelhütte und kaufte sich den Neuhof bei Himmerod, wo er 1812 verstarb.
Ludwigs Söhne 1) Karl Kaspar (*18.2.1777, +3.1.1857), verheiratet seit 26.2.1810 mit Maria Margaretha Fischer (*1783, +34.1862), Tochter des Försters Peter Fischer, und 2) Gottfried (*9.4.1784, +13.5.1846), verheiratet seit 19.8.1815 mit Eva Kleudgen (*1796, +1.6.1873), Tochter des Oberförsters Theodor Kleudgen und der Anna Katharina Weber, wurden beide Förster und pflanzten die Familie weiter fort, die seitdem meist in der Eifel und im Saarland lebte.